Wirtschaft: Hängepartie für die Weltkonjunktur

Noch ist die Datenbasis zu dünn, um die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges verlässlich abschätzen zu können. Klar ist aber: Die Konsumentenstimmung hat in den Industrienationen gelitten, die höheren Energiepreise lassen die Inflation wieder anziehen und die gestörten Lieferungen durch den Persischen Golf belasten zunehmend auch die grossen Schwellenländer Asiens und damit wichtige Wachstumsmotoren der Weltkonjunktur. Ob die Entspannung im Krieg und damit an der Strasse von Hormus nachhaltig ist und ob sie den wirtschaftlichen Schaden noch auf einen vorübergehenden Rücksetzer begrenzen kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

Die Wirtschaftsentwicklung ist auch in den ersten Monaten des neuen Jahres schwach geblieben. Neben den Herausforderungen der Exportindustrie, die deutlich tiefere Absatzvolumina verzeichnet als noch 2024 und Anfang 2025, belastet die Schweizer Wirtschaft zunehmend auch eine schwächere Inlandsnachfrage. Die Detailhandelsumsätze haben in den ersten beiden Monaten stagniert und verdeutlichen die Konsumzurückhaltung. Etwas Hoffnung gibt immerhin, dass die Schweiz zu den wenigen Volkswirtschaften gehört, in denen sich die Stimmung sowohl der Dienstleistungs- als auch der Industrieunternehmen zuletzt aufgehellt hat. Zudem ist die Schweiz aufgrund ihrer geringeren Energieabhängigkeit weniger stark von den gestiegenen Energiepreisen betroffen als beispielsweise ihre europäischen Nachbarn. Die Inflationsrate ist im März zwar ebenfalls gestiegen, aber nur von 0,1 auf 0,3 Prozent.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich die Wachstumsdynamik zuletzt deutlich abgeschwächt hat.
Quelle: Bloomberg

Die US-Wirtschaft hat gegen Ende des vergangenen Jahres eine spürbare Wachstumsverlangsamung erlebt, die sich auch zu Beginn des neuen Jahres fortsetzt. Gemäss der Echtzeitschätzung der US-Notenbank in Atlanta ist die grösste Volkswirtschaft der Welt im ersten Quartal 2026 um lediglich 0,3 Prozent gewachsen und damit deutlich unter ihrem langfristigen Schnitt geblieben. Die Schwäche am Arbeitsmarkt hält vorerst an, wenngleich ein erneuter Stellenabbau wie gegen Ende 2025 bislang vermieden werden konnte. Zusätzlichen Gegenwind bringt der Iran-Krieg, der die Konsumentenstimmung auf bereits tiefem Niveau weiter eingetrübt und auch die Dienstleistungsunternehmen vorsichtiger gemacht hat. Infolge der höheren Energiepreise tendiert zudem die Inflationsrate wieder nach oben.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstumstempo der USA sich in naher Zukunft weiter reduzieren wird.
Quelle: Bloomberg

Die Signale aus dem Euroraum waren zu Beginn des Jahres ermutigend. Die Stimmungswerte der Unternehmen stiegen an und das massive Fiskalpaket der deutschen Regierung versprach, erste Effekte auf die grösste Volkswirtschaft des Währungsraums zu entfalten. Der Iran-Krieg hat diese Erholung jedoch erste Bremsspuren verpasst. Die Zuversicht der Unternehmen hat sich bereits wieder etwas eingetrübt und auch die Konsumentinnen und Konsumenten sind vorsichtiger geworden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Inflationsrate in der Eurozone infolge höherer Energiepreise im März von 1,9 auf 2,5 Prozent gestiegen ist. Für die Europäische Zentralbank (EZB) ist das eine sehr ungemütliche Situation, denn da sie die globalen Energiepreise nicht beeinflussen kann, würden Zinserhöhungen primär die fragile Konjunkturerholung gefährden, ohne aber die Ursache der Inflation zu beseitigen.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum (zwischen 0 und 0,5 Prozent) in naher Zukunft hin.
Quelle: Bloomberg

Die asiatischen Schwellenländer sind durch den Iran-Konflikt besonders betroffen, da sie einen hohen Anteil ihrer Rohstoffe aus den Golfstaaten beziehen und sich neben höheren Preisen auch Versorgungsfragen stellen. Die schlimmsten Engpässe dürften durch die Öffnung der Strasse von Hormus vorläufig vermieden worden sein, gleichwohl sind Bremsspuren in der wirtschaftlichen Entwicklung zu erwarten. Das wiegt umso schwerer, als gerade Volkswirtschaften wie Indien und Indonesien in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen sind und dadurch die globale Konjunktur massgeblich gestützt haben. Gänzlich ungelegen kommt der Konflikt derweil für China, das ohnehin mit einer wirtschaftlichen Abschwächung kämpft und auf eine Erholung hofft, die sich nun weiter zu verzögern droht.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2025Q4
Schweiz
0,7%
USA
2,0%
Eurozone
1,2%
GB
1,0%
Japan
0,1%
Indien
7,8%
Brasilien
1,8%
China
4,5%
Indikatoren
BIP J/J 2025Q3
Schweiz
0,6%
USA
2,3%
Eurozone
1,4%
GB
1,3%
Japan
0,6%
Indien
8,2%
Brasilien
1,8%
China
4,8%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
USA
Eurozone
GB
=
Japan
+
Indien
=
Brasilien
China
+
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,7%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,3%
Brasilien
2,0%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,3%
USA
3,3%
Eurozone
2,5%
GB
3,0%
Japan
1,3%
Indien
3,21%
Brasilien
4,14%
China
1,0%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
3,75%
Eurozone
2,15% 
GB
3,75%
Japan
0,75%
Indien
5,25%
Brasilien
14,75%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

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