Wirtschaft: Hoffnung auf Bodenbildung

Im Januar haben sich die Stimmungswerte der Industrieunternehmen weltweit etwas verbessert. Zwar rechnen Unternehmen in vielen Ländern weiterhin mit einer abnehmenden Geschäftstätigkeit, doch verlangsamt sich dieser Rückgang zunehmend. Zusammen mit ermutigenden Produktionszahlen deutet dies darauf hin, dass der globale Industriesektor allmählich einen Boden findet. Eine solche Stabilisierung wäre gerade für die Schweizer Wirtschaft dringend nötig. Diese leidet stark unter den schwierigen Rahmenbedingungen für die exportorientierte Industrie, deren Auswirkungen nun auch am Arbeitsmarkt sichtbar werden.

Die Schweizer Exportwirtschaft bleibt unter Druck. Im vierten Quartal 2025 haben die Firmen nochmals 4 Prozent weniger Güter exportiert als im Vorquartal, das bereits einen deutlichen Rückgang verzeichnet hatte. Getrieben ist diese Entwicklung vor allem durch die hohen US-Zölle sowie den anhaltenden Wirtschaftsabschwung in Deutschland. Da der Aussenhandel rund 40 Prozent der Schweizer Wertschöpfung ausmacht, dürfte die Gesamtwirtschaft zu Jahresende erneut einen kräftigen Dämpfer erhalten haben. Die Folgen zeigen sich in einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote. Die zuletzt spürbare Aufwertung des Frankens erschwert die Lage zusätzlich und könnte die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter Druck setzen, wieder kräftiger am Devisenmarkt zu intervenieren oder erneut Negativzinsen einzuführen. Positiv ist, dass die Binnenwirtschaft bislang robust bleibt.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Grafik zeigt das tatsächliche Jahreswachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts (BIP) seit 1995, dessen langfristigen Trend und einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich die Wachstumsdynamik zuletzt deutlich abgeschwächt hat.
Quelle: Bloomberg

In den USA hat sich die Stimmung der Industrieunternehmen zu Jahresbeginn spürbar aufgehellt. Die Unternehmen gehen erstmals seit einem Jahr wieder von einer zunehmenden Geschäftstätigkeit aus. Dahinter dürfte eine leichte Substitution weg von ausländischen Gütern hin zu heimischer Produktion stehen, wie die rückläufigen Importzahlen nahelegen. Damit wird die auf die Unterstützung der heimischen Industrie ausgerichtete US-Politik erstmals dort sichtbar, wo sie auch beabsichtigt war. Die Nebenwirkungen höherer Produktionskosten dürften sich jedoch in tieferen Unternehmensmargen oder höherer Inflation zeigen. Trotz dieser Aufhellung bleibt das wirtschaftliche Umfeld schwierig. Die Bauaktivität ist weiter äusserst schwach und im Konsum nehmen die Fragezeichen zu, weil die Einkommen seit längerem deutlich hinter der Ausgabenentwicklung zurückbleiben.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Abbildung zeigt das Wachstum des realen amerikanischen BIP und dessen langfristigen Trend sowie einen vorlaufenden Konjunkturklimaindikator seit Mitte der Neunzigerjahre. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstumstempo der USA in naher Zukunft weiter reduzieren wird.
Quelle: Bloomberg

Die Wirtschaft des gesamten Währungsraums hat im vierten Quartal erneut um 0,3 Prozent zugelegt, das Jahreswachstum liegt damit bei 1,3 Prozent. Einen wichtigen Beitrag leistet seit längerem Spanien, dessen Wirtschaftsleistung auch im vierten Quartal mit 0,8 Prozent kräftig gestiegen ist. Auch Deutschland zeigt erste Erholungszeichen. Nach mehreren schwachen Quartalen hat die grösste Volkswirtschaft der Eurozone um 0,3 Prozent zugelegt und damit ein Jahreswachstum von 0,4 Prozent erreicht. Bereinigt um Deutschland läge die Expansion der Eurozone nahe am langfristigen Trend. Zudem dürften die massiven Fiskalprogramme in Deutschland und der gesamten Eurozone allmählich Wirkung entfalten, was die wirtschaftliche Entwicklung weiter stützen sollte.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

Die Darstellung zeigt das Wachstum des realen BIP, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima für die Eurozone seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet auf ein unterdurchschnittliches Wirtschaftswachstum (zwischen 0 und 0,5 Prozent) in naher Zukunft hin.
Quelle: Bloomberg

Der Abschwung in China, der mit Abstand grössten Volkswirtschaft unter den Schwellenländern, hat sich zuletzt weiter verstärkt. Die Einzelhandelsumsätze wachsen mittlerweile nur noch um 0,9 Prozent und die Investitionen in Bau und Anlagen liegen gar um 3,8 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Bedenkt man, dass diese Investitionen rund einen Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen, sind die von der chinesischen Regierung ausgewiesenen Wachstumszahlen der Gesamtwirtschaft von 4,5 Prozent vor allem als politische Zielgrösse zu interpretieren und weniger als Abbild der tatsächlichen Wirtschaftstätigkeit. Einen leichten Rückschlag musste zuletzt auch Indien, die zweitgrösste Schwellenländerwirtschaft, hinnehmen. Die Stimmungswerte der Unternehmen haben sich zwar signifikant abgeschwächt, bleiben aber auf hohem Niveau und zeigen weiterhin hohes Wachstum an.

Wachstum, Stimmung und Trend

In Prozent

 Diese Grafik zeigt das durchschnittliche reale BIP-Wachstum ausgewählter Schwellenländer, dessen Trend und ein vorlaufendes Konjunkturklima seit 1995. Der vorlaufende Indikator deutet darauf hin, dass die Wirtschaft in naher Zukunft mit Trendwerten mit zwischen 4 und 5 Prozent wachsen wird.
Quelle: Bloomberg

Globale Konjunkturdaten

IndikatorenSchweizUSAEurozoneGBJapanIndienBrasilienChina
Indikatoren
BIP J/J 2025Q4
Schweiz
k.A. 
USA
k.A. 
Eurozone
1,3%
GB
1,0%
Japan
k.A. 
Indien
k.A. 
Brasilien
k.A. 
China
4,5%
Indikatoren
BIP J/J 2025Q3
Schweiz
0,5%
USA
2,3%
Eurozone
1,4%
GB
1,2%
Japan
0,7%
Indien
8,2%
Brasilien
1,8%
China
4,8%
Indikatoren
Konjunkturklima
Schweiz
+
USA
=
Eurozone
GB
=
Japan
+
Indien
Brasilien
China
-
Indikatoren
Trendwachstum
Schweiz
1,2%
USA
1,7%
Eurozone
0,8%
GB
1,8%
Japan
1,1%
Indien
5,3%
Brasilien
1,9%
China
3,6%
Indikatoren
Inflation
Schweiz
0,1%
USA
2,4%
Eurozone
1,7%
GB
3,0%
Japan
1,5%
Indien
2,8%
Brasilien
4,4%
China
0,2%
Indikatoren
Leitzinsen
Schweiz
0,0%
USA
3,75%
Eurozone
2,15% 
GB
3,75%
Japan
0,75%
Indien
5,25%
Brasilien
15,0%
China
3,0%

Quelle: Bloomberg

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