Was für ein Sommer bisher! Auf heisse Tage mit Rekordtemperaturen folgten hitzige Nächte, in denen wir mit unserer Fussball-Nationalmannschaft mitfieberten, uns freuten und schliesslich mitlitten, als sie im WM-Viertelfinal gegen Argentinien unglücklich ausschied. Dabei fiel es sowohl buchstäblich als auch sprichwörtlich nicht immer leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren.
An den Finanzmärkten war es nicht anders. Kaum hatten die Konfliktparteien im Nahen Osten ein Friedensabkommen unterzeichnet, flammte der Krieg erneut auf. Die anhaltende Blockade der Strasse von Hormus belastet den Welthandel und erschwert die Güterversorgung in den Schwellenländern. Das nährt die Sorge um die globale Konjunktur – ausgerechnet in einer Phase, in der die Inflation wieder deutlich angezogen hat. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in den USA, wo die Teuerung immer noch deutlich über dem Inflationsziel der Notenbank verharrt. In diesem ohnehin anspruchsvollen Umfeld trat Kevin Warsh sein Amt als neuer Präsident der US-Notenbank an. Seine ersten Amtshandlungen reichten aus, um die Zinserwartungen der Märkte innerhalb weniger Wochen von einer Zinssenkung zu einer Zinserhöhung zu verschieben.
Selbst auf die vermeintlichen Gewinner der vergangenen Jahre war plötzlich kein Verlass mehr. Ausgerechnet jene amerikanischen Technologiewerte, die den Aktienmärkten in den vergangenen Jahren den Takt vorgegeben hatten, gerieten ins Stottern. Die Erwartungen an diese Unternehmen sind mittlerweile so hoch, dass selbst hervorragende Quartalsergebnisse kaum noch honoriert werden. Besonders hart traf es die Werte von Computerchip-Herstellern. Schon kleine Enttäuschungen wurden mit deutlichen Kursverlusten quittiert.
Dennoch schlossen die meisten Aktienmärkte das erste Halbjahr mit einem klaren Plus ab. Unsere Kundenportfolios entwickelten sich dabei sehr erfreulich und erzielten bereits im ersten Halbjahr eine Rendite, wie sie sonst eher für ein ganzes Jahr zu erwarten wäre. Auch im Vergleich zur Konkurrenz schnitten sie im Durchschnitt deutlich besser ab. Gerade in einem Umfeld, das von überraschenden Wendungen geprägt ist, bestätigt dies den Wert einer breit abgestützten Anlagestrategie. Die überdurchschnittliche Performance beruht nicht auf einer einzelnen richtigen Prognose, sondern auf einer von Anfang an auf unterschiedliche Marktverläufe ausgerichteten Strategie.
Eine solche Strategie verlangt jedoch auch, die Positionierung dort anzupassen, wo sich Chancen und Risiken merklich verändern. So bleiben wir bei US-Aktien beispielsweise weiterhin zurückhaltend. Solange die Entwicklung des Gesamtmarktes von einer Handvoll Technologiekonzernen geprägt wird, wächst mit jeder neuen Bestmarke auch das Rückschlagpotenzial. Attraktiver beurteilen wir hingegen Gold. Das Edelmetall hat sich in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten immer wieder als verlässlicher Wertspeicher bewährt, weshalb wir an einer erhöhten Quote festhalten. Auch Schweizer Immobilien bleiben übergewichtet, gestützt durch eine solide strukturelle Nachfrage.