Marktüberblick: Wechselhafte Finanzmärkte

Die Finanzmärkte zeigten sich im vergangenen Monat erneut wechselhaft. Zunächst belasteten Sorgen über hohe Technologiebewertungen die Märkte, doch mit dem Ende des Regierungsstillstands und der Hoffnung auf eine weitere geldpolitische Lockerung in den USA verbesserte sich das Umfeld. Damit entwickelten sich Aktien und Obligationen im Monatsvergleich weitgehend seitwärts. 

Der vergangene Monat war am Obligationenmarkt wechselhaft. Zunächst sorgten Bedenken über hohe Tech-Bewertungen für Kursgewinne, später rückten wieder Inflationssorgen in den Vordergrund. Insgesamt gaben die Obligationenmärkte im Monatsvergleich nur leicht nach. 

Indexierte Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung

100 = 01.01.2025

Diese Grafik zeigt die Wertentwicklung von Staatsobligationen in Lokalwährung aus der Schweiz, den USA und Deutschland. Die Wertentwicklung im vergangenen Jahr zeigte sich unbeständig und dies setzte sich zunächst auch im neuen Jahr fort. Bis April zeichnete sich in den USA sowie in der Schweiz jedoch ein Aufwärtstrend ab, während sich in Europa ein Abwärtstrend kristallisierte. Diese Tendenzen wurden durch die Zollankündigung jedoch abrupt unterbrochen.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Die Entwicklung an den Obligationenmärkten blieb im vergangenen Monat erneut unbeständig. In der zweiten Novemberhälfte gewannen Staatsobligationen zunächst spürbar an Wert. Auslöser waren vermutlich die Sorgen am Aktienmarkt über die möglicherweise zu hohen Bewertungen der Technologietitel. Die anschliessende Gegenbewegung dürfte durch die wieder vermehrt in den Vordergrund gerückten Inflationssorgen und damit die Unsicherheit über die zukünftige Geldpolitik in den USA und in Europa verursacht worden sein. Die Sorgen um die Inflation sind derweil nicht unbegründet. Sowohl in den USA als auch in Europa liegt die Kernrate der Inflation weiterhin über dem Zielwert von 2 Prozent. Im Dezember hat die amerikanische Notenbank die Leitzinsen dennoch um weitere 25 Basispunkte gesenkt, wodurch sich die Verluste zumindest an den Obligationenmärkten in den USA etwas reduziert haben.

Entwicklung der 10-jährigen Verfallrenditen

In Prozent

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Verfallrenditen auf 10-jährigen Staatsobligationen der Schweiz, der USA und Deutschlands. 10-jährige Verfallrenditen sind ein wichtiger Massstab für die Zinsentwicklung. Langfristig weisen diese einen starken Abwärtstrend auf. Seit Frühling 2022 ist jedoch eine Trendwende hin zu höheren Zinsen zu beobachten. Dieser Trend wurde im Jahr 2024 zunehmend gebremst, in der Schweiz ist sogar ein Trend zu niedrigeren Zinsen zu beobachten.
Quelle: SIX, Bloomberg Barclays

Aufgrund der wieder gestiegenen Inflationssorgen sind die Verfallrenditen von 10-jährigen Staatsobligationen Ende November spürbar angestiegen. In Deutschland liegen die 10-jährigen Verfallrenditen mit knapp unter 3 Prozent nur geringfügig unter dem Höchststand der letzten fünf Jahre. Besonders stark angestiegen sind die Verfallrenditen auch in Japan. Sie notieren mittlerweile bei fast 2 Prozent und damit im Jahresvergleich fast 100 Basispunkte höher. Aussagen des Vorsitzenden der japanischen Notenbank (BoJ) Kazuo Ueda, die eine Erhöhung der Leitzinsen signalisierten, dürften zu diesem Anstieg beigetragen haben. Angesichts der weiterhin erhöhten Kerninflationsrate von 3 Prozent wäre ein solcher Schritt nicht unbegründet. In der Schweiz sind die Verfallrenditen jüngst ebenfalls angestiegen und liegen nun bei 0,25 Prozent. Der jüngste Entscheid der Schweizer Notenbank (SNB), den Leitzins unverändert bei 0 Prozent zu belassen, hat daran wenig geändert.

Risikoaufschläge von Unternehmensobligationen

In Prozentpunkten

Auf dieser Darstellung ist die Differenz zwischen den Verfallrenditen von Staats- und Unternehmensobligationen in US-Dollar, Euro und Franken abgebildet. Diese Risikoaufschläge, auch Spreads genannt, stiegen in der ersten Jahreshälfte 2022 stark, sanken aber deutlich in der zweiten Jahreshälfte sowie zu Beginn des folgenden Jahres. Im März 2023 stiegen die Risikoaufschläge erneut leicht an, bevor sie sich wieder auf einem niedrigen Niveau einpendelten. Im Zuge der von den USA angekündigten Handelsbeschränkungen nahmen die Spreads wieder zu, reduzierten sich jedoch kurz darauf wieder und befinden sich erneut auf historisch tiefen Werten.
Quelle: Bloomberg Barclays

Angesichts der neu aufgekommenen Sorgen über die Bewertungen von Technologietiteln und der dadurch bedingten gedrückten Stimmung an den Finanzmärkten sind die Risikoaufschläge für Unternehmensobligationen vorübergehend gestiegen, wenn auch von einem niedrigen Ausgangsniveau aus. Dieser Anstieg war jedoch nicht nachhaltig. Mit der Rückkehr des Optimismus an den Aktienmärkten gingen die Risikoaufschläge wieder spürbar zurück. Damit spiegelt der Markt für Unternehmensobligationen weiterhin keine Rezessionssorgen wider.

Die Aktienmärkte waren wie der Obligationenmarkt von einem Auf und Ab geprägt. Sorgen über die hohen Bewertungen der Technologieunternehmen belasteten die Kurse zunächst. Gegen Monatsende kehrte der Optimismus jedoch wieder zurück. 

Indexierte Aktienmarktentwicklung in Franken

100 = 01.01.2025

Die Grafik stellt die Wertentwicklungen der Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer in den letzten zwölf Monaten in Franken dar. Die Verluste im April 2025, die durch die Turbulenzen im Welthandel verursacht wurden, konnten mittlerweile mehr als kompensiert werden.
Quelle: SIX, MSCI

Ähnlich wie die Obligationenmärkte erlebten auch die Aktienmärkte einen turbulenten Monat. Zunächst dämpften insbesondere Sorgen über die hohen Bewertungen von Technologietiteln den weltweiten Optimismus. Anleger:innen stellten zunehmend infrage, ob sich die umfangreichen Investitionen in künstliche Intelligenz tatsächlich in der erwarteten Form auszahlen würden. In der Folge gaben die Aktienmärkte in der zweiten Novemberhälfte spürbar nach. Gegen Monatsende kehrte der Optimismus jedoch wieder zurück. Dazu beigetragen haben dürfte zum einen die Beendigung des US-Regierungsstillstands, zum anderen die wieder aufgekommene Hoffnung auf weitere geldpolitische Lockerungsschritte der amerikanischen Notenbank im Dezember. Die damit einhergehende konjunkturelle Sorge bleibt derzeit allerdings von den Finanzmärkten weitgehend ausgeblendet.

Momentumstärke einzelner Märkte

In Prozent

Die Darstellung zeigt die Momentumstärke von zwölf der wichtigsten Aktienmärkte weltweit. Das Momentum setzt den letzten Kursstand zum Durchschnitt der letzten sechs Monate ins Verhältnis. Während das Momentum im April noch im Minus lag, weisen derzeit nahezu alle Märkte ein positives Momentum auf.
Quelle: MSCI

Mit dem zwischenzeitlichen Dämpfer des Optimismus an den Aktienmärkten – besonders bei den Technologietiteln – verlor auch das Momentum vielerorts an Stärke. Am deutlichsten zeigte sich der Rückgang in technologielastigen Märkten wie Südkorea und Taiwan. Weiter zulegen konnte hingegen das Momentum am Schweizer Aktienmarkt. Nachdem sich dieser seit April vom Einbruch nicht wesentlich erholen konnte, holte er im vergangenen Monat spürbar auf. Massgeblich dazu beigetragen hat das Indexschwergewicht Roche. Der Aktienkurs des Pharmakonzerns legte im Nachgang positiver Studienergebnisse und Erfolgsnachrichten zu mehreren Medikamenten deutlich zu und notierte im Monatsvergleich rund 18 Prozent höher.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Die Abbildung zeigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV, für die Aktienmärkte Schweiz, Welt und Schwellenländer seit dem Jahr 2000. Wegen steigender Unternehmensgewinne und fallender Aktienkurse sind die KGVs der drei Märkte seit Sommer 2020 spürbar gesunken. Seit Ende 2022 erholen sich diese dank gestiegener Aktienkurse aber wieder zunehmend.
Quelle: SIX; MSCI

Der Dämpfer am Aktienmarkt mit anschliessender Erholung führte dazu, dass sich die Aktienkurse im Monatsvergleich kaum veränderten. Zusammen mit der besonders starken Berichtsaison der Unternehmen aus dem Technologiesektor dürfte dies das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des technologielastigen Aktienmarktes in den USA und in den Schwellenländern reduziert haben. Im Gegensatz dazu stieg das KGV in der Schweiz an. Ausschlaggebend hierfür dürfte die starke Entwicklung des Schweizer Aktienmarktes im vergangenen Monat gewesen sein.

Börsenkotierte Schweizer Immobilienfonds haben im vergangenen Monat erneut leicht zugelegt und dürften auch am Ende des Jahres eine substanzielle Rendite erzielen.

Indexierte Wertentwicklung von Schweizer Immobilienfonds

100 = 01.01.2025

Die Abbildung zeigt die indexierte durchschnittliche Wertentwicklung von kotierten Schweizer Immobilienfonds in den zurückliegenden zwölf Monaten. Die Wertentwicklung war im dargestellten Zeitraum äusserst volatil. Im letzten Monat konnten die Preise der Schweizer Immobilienfonds die Verluste der ersten Novemberhälfte wieder ausgleichen und stiegen im Monatsverlauf wieder auf die Jahreshöchststände.
Quelle: SIX

Die Entwicklung der börsenkotierten Schweizer Immobilienfonds im bisherigen Jahresverlauf lässt sich in drei Phasen gliedern: In der ersten, rund vier Monate dauernden Phase bewegten sich die Kurse in einer bestätigenden Seitwärtsbewegung. Ab Mai folgte eine zweite Phase mit einem markanten Kurssprung, der sich anschliessend konsolidierte und bis etwa August behauptet werden konnte. Seither ist in der dritten Phase eine leichte Aufwärtstendenz erkennbar. Alles in allem resultierte für Schweizer Immobilienfonds im bisherigen Verlauf des Jahres 2025 ein Wertzuwachs von rund 8 Prozent. Getragen wurde diese Entwicklung insbesondere vom kontinuierlichen Rückgang der langfristigen Schweizer Kapitalmarktzinsen.

Aufpreis auf Schweizer Immobilienfonds und 10-jährige Verfallsrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen und der Aufpreis auf den in Schweizer Immobilienfonds enthaltenen Immobilienobjekten seit dem Jahr 2000 zu sehen. Der starke Anstieg der Zinsen im Jahr 2022 führte zu einem deutlichen Rückgang der Aufpreise. Im Verlauf des vergangenen Jahres stiegen die Agios aber wieder an. Dieser Trend setzte sich auch in diesem Jahr fort.
Quelle: SIX

Der Aufpreis, den Anleger:innen für Investitionen in börsenkotierte Immobilienfonds gegenüber dem Nettoinventarwert der zugrunde liegenden Immobilien bezahlen (das sogenannte Agio), ist im vergangenen Monat aufgrund des Wertzuwachses an der Börse nochmals leicht angestiegen. Ein Vergleich über die letzten 20 Jahre zeigt, dass das Agio üblicherweise dann steigt, wenn die Kapitalmarktzinsen sinken, und dass es tendenziell sinkt, wenn die Kapitalmarktzinsen steigen. Zudem ist erkennbar, dass das aktuelle Niveau aussergewöhnlich hoch ist und in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur während der Phase negativer Kapitalmarktzinsen vor der Pandemie erreicht wurde.

3-Monats-SARON und 10-jährige Verfallrenditen

In Prozent

Auf dieser Abbildung ist der schweizerische Referenzzinssatz SARON mit einer Laufzeit von drei Monaten und die Verfallrendite von 10-jährigen Schweizer Staatsobligationen seit dem Jahr 2000 zu sehen. Sowohl der 3-Monats-Referenzzinssatz als auch die Kapitalmarktzinsen sind im Jahresverlauf gesunken.
Quelle: SIX

In der Schweiz ist die Inflation im letzten Monat erneut leicht gesunken und liegt aktuell bei 0 Prozent. Wie von den Marktteilnehmer:innen erwartet, entschied die Schweizerische Nationalbank, die Leitzinsen bei 0 Prozent zu belassen, und betonte dabei die hohe Hürde für Negativzinsen. Die Verfallrenditen 10-jähriger Schweizer Staatsobligationen stiegen Anfang Dezember um etwa 10 Basispunkte an und liegen jetzt bei 0,25 Prozent.  

Währungen

In Schweizer Franken gemessen befindet sich Gold weiterhin nahe dem Allzeithoch. Der Euro konnte gegenüber dem Schweizer Franken aufholen. 

WährungspaarKursKKP Neutraler Bereich Bewertung
Währungspaar
EUR/CHF
Kurs
0,94
KKP
0,92
Neutraler Bereich
0,85 – 0,99
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/CHF
Kurs
0,80
KKP
0,79
Neutraler Bereich
0,69 – 0,89
Bewertung
USD neutral
Währungspaar
GBP/CHF
Kurs
1,07
KKP
1,13
Neutraler Bereich
0,98 – 1,28
Bewertung
Pfund neutral
Währungspaar
JPY/CHF
Kurs
0,51
KKP
0,84
Neutraler Bereich
0,68 – 1,00
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
SEK/CHF
Kurs
8,63
KKP
9,88
Neutraler Bereich
8,83 – 10,92
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
NOK/CHF
Kurs
7,93
KKP
10,43
Neutraler Bereich
9,17 – 11,70
Bewertung
Krone unterbewertet
Währungspaar
EUR/USD
Kurs
1,17
KKP
1,17
Neutraler Bereich
1,02 – 1,32
Bewertung
Euro neutral
Währungspaar
USD/JPY
Kurs
156,03
KKP
93,91
Neutraler Bereich
71,50 – 116,31
Bewertung
Yen unterbewertet
Währungspaar
USD/CNY
Kurs
7,06
KKP
6,35
Neutraler Bereich
5,85 – 6,85
Bewertung
Renminbi unterbewertet

Quelle: Allfunds Tech Solutions

Im letzten Monat gab es keine grossen Veränderungen bei den diesjährigen Währungsverläufen. Einzig der Euro konnte gegenüber dem Schweizer Franken aufwerten. Nachdem der Euro Mitte November auf dem Allzeittief gegenüber dem Schweizer Franken gelandet war, konnte er diese Verluste anschliessend zum grossen Teil wieder gutmachen. Aktuell notiert der Euro gegenüber dem Schweizer Franken auf Jahresbasis betrachtet nahezu unverändert. Der US-Dollar hingegen konnte die Aufwertung, die zwischen September und Mitte November stattgefunden hatte, nicht fortsetzen und verlor auf handelsgewichteter Basis an Wert.  

Kryptowährungen

KryptowährungKursYTD in USDJahreshochJahrestief
Kryptowährung
BITCOIN
Kurs
92'036
YTD in USD
-1,44%
Jahreshoch
124’728
Jahrestief
76’244
Kryptowährung
ETHEREUM
Kurs
3'328
YTD in USD
-0,12%
Jahreshoch
4’836
Jahrestief
1’471

Quelle: Allfunds Tech Solutions, Coin Metrics Inc

Gold

Der in Schweizer Franken gemessene Goldpreis hat sich im letzten Monat knapp unterhalb der Höchstmarke stabilisiert und liegt aktuell bei 3350 Schweizer Franken pro Feinunze.

Indexierte Wertentwicklung von Gold in Franken

100 = 01.01.2025

Die Grafik zeigt die indexierte Wertentwicklung von Gold in Schweizer Franken im Jahresrückblick. Der Goldpreis zeigte seit Jahresbeginn eine starke Wertentwicklung und erreichte mehrmals neue Höchststände.
Quelle: Allfunds Tech Solutions

In der zweiten Novemberhälfte erlebte der Goldpreis einen kurzen Rücksetzer. Dieser hielt jedoch nicht lange an und der Preis stabilisierte sich im Dezember bei 4200 US-Dollar pro Feinunze. Damit liegt er nur knapp unter dem Allzeithoch von 4400 US-Dollar. In Schweizer Franken gemessen liegt die Wertsteigerung seit Jahresbeginn weiterhin bei über 40 Prozent.  

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