Liquidität im Griff: Worauf es im KMU-Alltag ankommt

25.11.2025

Liquiditätsengpässe können auch solide Unternehmen treffen und ihre Existenz gefährden – gerade in unsicheren wirtschaftlichen Zeiten. Dieser Beitrag zeigt, wie Schweizer KMU ihre Zahlungsfähigkeit aktuell einschätzen und mit welchen Hebeln sie ihre Liquidität sichern können.

In Kürze

  • Liquiditätsengpässe sind einer der häufigsten Gründe für KMU-Konkursfälle.
  • Gemäss einer aktuellen Kundenbefragung gibt es bei der Beurteilung der Liquiditätssituation einen Gap zwischen grösseren KMU und Kleinstunternehmen.
  • Mit effizienten Rechnungs- und Zahlungsprozessen und weiteren praxisnahen Tipps stärken Unternehmen ihre Liquidität.

Erfahren Sie mehr zum Thema «Liquiditätsplanung: Jederzeit liquide sein».

Ein Auftrag ist erledigt, die Rechnung verschickt – doch das Geld lässt auf sich warten. Währenddessen laufen Löhne, Mieten und Produktionskosten weiter. Für viele KMU ist diese Situation tägliche Realität. Und genau jetzt entscheidet es sich, ob ein Unternehmen zahlungsfähig bleibt oder ins Straucheln gerät. Denn wenn die Liquidität versiegt, kommen selbst solide geführte Betriebe rasch in Schwierigkeiten. Liquidität ist deshalb nicht nur wichtig, sondern sie ist das A und O für das Überleben eines Unternehmens.

Was bedeutet Liquidität und warum ist sie so wichtig?

Liquidität beschreibt die Fähigkeit Ihres Unternehmens, Rechnungen fristgerecht zu bezahlen. Dafür brauchen Sie ausreichend flüssige Mittel – also Bargeld, Bankguthaben und kurzfristig verfügbare Vermögenswerte. Sind keine finanziellen Mittel vorhanden, um ausstehende Verbindlichkeiten zu begleichen, droht Ihrem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit. Und: Im schlimmsten Fall muss Insolvenz angemeldet werden. 

Wie können KMU ihre Liquidität berechnen?

In der Praxis wird Liquidität in drei Stufen gemessen:

  • Verhältnis von liquiden Mitteln zu kurzfristigen Verbindlichkeiten: Die Liquidität 1 (auch Barliquidität oder Cash Ratio genannt) sagt Ihnen, wie viel Ihrer kurzfristigen Verbindlichkeiten (Schulden, die spätestens nach einem Jahr fällig sind wie zum Beispiel Rechnungen von Lieferanten) Sie mit den liquiden Mitteln (Geld aus Kasse und Geschäftskonto) begleichen können.

    Liquiditätsgrad 1 = liquide Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100

    Beträgt Ihr Liquiditätsgrad 1 50 Prozent, heisst dies nichts anderes, als dass Sie mit dem Geld in der Kasse und auf dem Konto die Hälfte Ihrer kurzfristigen Schulden sofort bezahlen könnten.

    Der optimale Wert variiert je nach Unternehmen. Als grobe Orientierung dient ein Richtwert von 10 bis 30 Prozent.

    Bei einem hohen Liquiditätsgrad 1 kann sich die Prüfung einer Anlage lohnen.
    Weiter zum Beitrag «Liquidität im KMU: Überschüssige flüssige Mittel anlegen?»

  • Berücksichtigt zusätzlich Wertpapiere und kurzfristige Forderungen: Die Liquidität 2 (auch Quick Ratio genannt) rechnet zu den liquiden Mitteln auch Wertpapiere und kurzfristige Forderungen hinzu. Denn beides können Sie relativ kurzfristig in Geld umwandeln. Das Verhältnis dieser drei Komponenten mit den kurzfristigen Verbindlichkeiten zeigt, ob Ihr Unternehmen seine Rechnungen bezahlen kann.

    Liquiditätsgrad 2 = (liquide Mittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100

    Der optimale Wert variiert je nach Unternehmen. Als Standard-Richtgrösse kann ein Liquiditätsgrad 2 von 100 bis 120 Prozent herangezogen werden. Ein markant tieferer Liquiditätsgrad 2 deutet klar auf einen Liquiditätsengpass bzw. Zahlungsschwierigkeiten hin.

  • Umfasst das gesamte Umlaufvermögen inkl. Vorräte: Die Liquidität 3 (auch Current Ratio genannt) beschreibt das Verhältnis von Umlaufvermögen zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Zum Umlaufvermögen zählen flüssiges Kapital, Wertpapiere, kurzfristige Forderungen und zusätzlich alle Vorräte (Rohstoffe, halbfertige und fertige Produkte). 

    Liquiditätsgrad 3 = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten x 100

    Der optimale Wert variiert je nach Unternehmen. Als Richtgrösse empfiehlt sich ein Bereich von 150 bis 200 Prozent.

Liquidität: die Realität in Schweizer KMU

Wie steht es aktuell um die Liquidität bei Schweizer Unternehmen? Eine PostFinance-Umfrage bei 750 Firmenkunden zeigt ein differenziertes Bild:

Was Unternehmen konkret tun können: mögliche Hebel für eine ideale Liquidität

Nachdem wir beleuchtet haben, wie sich die Liquidität im Unternehmen beurteilen lässt und wie KMU ihre Situation einschätzen, stellt sich die nächste Frage: Wie kann diese aktiv verbessert werden? Die folgenden ausgewählten und nicht abschliessenden praxisnahen Hebel helfen Ihnen dabei, Ihre Zahlungsfähigkeit zu sichern.

  • Machen Sie eine Liquiditätsplanung. Damit schätzen Sie ab, welche Einnahmen und Ausgaben Sie in den kommenden drei bis zwölf Monaten erwarten. Welchen Umsatz erwarten Sie? Welche Zahlungsverpflichtungen stehen an? Wie ent-wickelt sich Ihre Branche? Sorgfältig gemacht, hilft Ihnen die Liquiditätsplanung, Ihre zukünftige Zahlungsfähigkeit abzu-schätzen. Sie erkennen damit auch mögliche Engpässe frühzeitig. Ein Allheilmittel ist sie aber nicht, denn es können immer unvorhersehbare Ereignisse eintreten.

  • Stellen Sie Ihre Rechnungen so früh wie möglich – idealerweise direkt nach Abschluss eines Auftrags oder einer Dienstleis-tung – und fehlerlos, denn eine falsche Rechnungsadresse führt automatisch zu einer Verzögerung. Denken Sie daran: Sie sind daran interessiert, dass Sie das Geld von Ihren Schuldnern so schnell wie möglich erhalten. Bei grösseren oder länger laufenden Projekten empfiehlt es sich, Teilzahlungen zu vereinbaren und Zwischenrechnungen zu stellen. Ein kurzes Zah-lungsziel und die Gewährung von Skonto wirken zusätzlich als Anreiz für eine rasche Zahlung.

     

    Weiter zum Blogbeitrag «Skonto clever nutzen»

  • Reagieren Sie bei Zahlungsverzögerungen schnell und nehmen Sie umgehend Kontakt mit Ihrer Kundschaft auf. Erinnern Sie zunächst freundlich an die offene Zahlung, bevor Sie schrittweise mit deutlicheren Mahnungen fortfahren – bis hin zur Ankündigung von Konsequenzen. Halten Sie Mahnfristen kurz und warten Sie mit dem Mahnen nicht zu. Ein gut aufgestelltes Mahnwesen – vielleicht sogar automatisiert – hilft Ihnen dabei.

    Falls Ihr Kunde aktuell nicht den vollen Betrag zahlen kann, versuchen Sie, zumindest eine Teilzahlung zu vereinbaren.

    Weiter zum Blogbeitrag «Was tun, wenn die Kund:in nicht zahlt»
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  • Handeln Sie günstige Zahlungskonditionen mit Ihren Gläubigern aus, so dass Sie nicht sofort bezahlen müssen. Bei hohen Forderungen können Ratenzahlungen helfen.

  • Zögern Sie teure Anschaffungen und Investitionen hinaus, wenn sie nicht dringend sind. Viele Dinge lassen sich auch mieten statt kaufen, von Büroräumlichkeiten bis zu Maschinen.

  • Der Lagerbestand hat einen direkten Einfluss auf die Liquidität eines Unternehmens: Ein hoher Lagerbestand bindet Kapital und verringert die Liquidität eines Unternehmens, während eine Reduzierung des Lagerbestands die Liquidität steigert, da gebundenes Geld freigesetzt wird. Entscheidend ist ein Lagerbestand, der die Lieferbereitschaft sichert und gleichzeitig Kosten sowie Kapitalbindung minimiert.

  • Bilden Sie Rückstellungen! Es kann immer passieren, dass Aufträge plötzlich wegbrechen oder ungeplante Kosten anfallen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie ausreichend Liquiditätsreserven aufbauen.

  • Durch die Nutzung des Kontoüberzugs können Sie im Bedarfsfall kurzfristig Ihren finanziellen Spielraum vergrössern. Der Kontoüberzug richtet sich an kleinere und mittlere Unternehmen und dient zur Überbrückung von kurzfristigen Liquiditätsengpässen.

    Weiter zum Kontoüberzug

  • Bevor Sie grössere Aufträge annehmen, kann es sinnvoll sein, die Bonität des potenziellen Kunden zu überprüfen. So stellen Sie sicher, dass Ihr Kunde auch über genügend Zahlungsmittel verfügt und vermeiden unangenehme Überraschungen.

Liquiditätsmanagement – am besten digital

Digitale Lösungen unterstützen dabei, die flüssigen Mittel effizienter zu steuern und Transparenz in den Alltag zu bringen.

Nutzen Sie ein softwarebasiertes Liquiditätsplanungstool

Eine softwarebasierte Liquiditätsplanung unterstützt Unternehmen darin, ihre Zahlungsfähigkeit in Echtzeit zu überwachen und vorausschauend zu steuern. Auf Basis der Daten lassen sich auch Szenarien berechnen, etwa wie sich Umsatzrückgänge, Investitionen oder höhere Personalkosten auf die Liquidität auswirken. So erkennt man frühzeitig Engpässe, kann gezielt gegensteuern und strategische Entscheidungen – etwa zu Kreditlinien oder Zahlungszielen – fundierter treffen. Die automatische Aktualisierung und KI-gestützte Prognosen ersetzen das mühsame Nachtragen in Exceltabellen, was wiederum Zeit spart und Fehler reduziert. Bei der Wahl und Einführung des Tools ist der Beizug einer Fachperson (z. B. Treuhandfirma) ratsam.

Digitalisieren Sie Ihre Rechnungen

Digitale Rechnungen erhöhen nicht nur die Effizienz von Rechnungsprozessen, sondern fördern auch einen schnelleren und zuverlässigeren Geldfluss. Zwei Beispiele: Über eBill gestellte Rechnungen an Privatkund:innen werden häufig schneller beglichen, da sie direkt im E-Banking erscheinen. Dadurch verkürzen sich Zahlungsfristen, und die Einnahmen werden planbarer. Und im Rechnungsaustausch zwischen Unternehmen beschleunigt die E-Rechnung B2B mit der digitalen Übermittlung und automatisierten Verarbeitung Freigabe- und Zahlungsprozesse.

Verschaffen Sie sich Übersicht

Das Cash Management und Multibanking Tool (CMT) liefert Ihnen einen schnellen Überblick über die Liquidität aller Ihrer Geschäftskonten – also Konten von PostFinance und von Drittbanken im In- und Ausland.

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